{"id":6186,"date":"2022-05-02T19:49:05","date_gmt":"2022-05-02T17:49:05","guid":{"rendered":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/?p=6186"},"modified":"2022-05-04T01:31:45","modified_gmt":"2022-05-03T23:31:45","slug":"intersektionale-perspektive-auf-die-frontex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/2022\/05\/02\/intersektionale-perspektive-auf-die-frontex\/","title":{"rendered":"Intersektionale Perspektive auf die Frontex"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group af-article-head\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Intersektionale Perspektive auf die Frontex<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Warum der Frontex-Ausbau patriarchale Machtverh\u00e4ltnisse zementiert und welche Rolle dabei Europas koloniale Vergangenheit und der Kapitalismus spielt. Gerade deshalb m\u00fcssen wir dem Schrei nach Aufr\u00fcstung mit solidarischen Forderungen und Antimilitarismus entgegentreten.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group af-article-body af-links--soft\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group af-article-body__meta\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-post-date\"><time datetime=\"2022-05-02T19:49:05+02:00\">2. Maggio 2022<\/time><\/div>\n\n\n<p>Von Julia Wartmann<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Betrachten wir die EU-Grenzschutzagentur Frontex aus einer intersektionalen Perspektive, wird klar, dass Menschen auf der Flucht unterschiedlich von Gewalt betroffen sind. Sich \u00fcberschneidende Achsen von Unterdr\u00fcckung, wie beispielsweise Geschlecht, <em>Race,<\/em> Klasse und sexuelle Orientierung, pr\u00e4gen die Erfahrungen von People on the Move massgeblich. Deshalb ist eine intersektionale Perspektive n\u00f6tig, um die Gewalt an den Schengenaussengrenzen einzuordnen. Es ist gezielte Gewalt, um Fl\u00fcchtende von der Einreise in die EU abzuhalten \u2013 und sie wirkt unterschiedlich.<\/p>\n\n\n\n<ul id=\"footnote-1-link\" class=\"af-footnote-link wp-block-list\"><li>Gewalt an den EU-Aussengrenzen ist vergeschlechtlicht; das heisst sie wird spezifisch gegen verschiedene Geschlechter eingesetzt, mit dem Ziel, Menschen m\u00f6glichst \u00abeffektiv\u00bb an der \u00dcberquerung der Grenze zu hindern.<\/li><li>Die Gewalt gegen People on the Move ist rassifiziert insofern sie eingesetzt wird, um Menschen aus dem Globalen S\u00fcden davon abzuhalten, ins <em>\u00abWeisse\u00bb<\/em> <a href=\"#footnote-1\">(1)<\/a> Europa zu gelangen. Den rassistischen Narrativen zufolge bedeuteten diese n\u00e4mlich eine Gefahr f\u00fcr die \u00abLeitkultur\u00bb und die darin sozialisierten Menschen. Die Idee der Leitkultur legt nahe, dass es einen auf sogenannt \u00abeurop\u00e4ischen Werten\u00bb basierenden gesellschaftlichen Konsens g\u00e4be, an den sich Nicht-Europ\u00e4er:innen zu halten haben, wenn sie in Europa leben wollen.<\/li><li>Die Gewalt der Frontex ist klassistisch, indem die Ausbeutung von Mensch und Natur durch das kapitalistische System nicht als legitimer Grund f\u00fcr Abwanderung anerkannt wird. Menschen, die aus existenzieller Not migrieren, werden als Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge verunglimpft.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gewalt wird geschlechtsspezifisch eingesetzt<\/h2>\n\n\n\n<p>Aus Erfahrungsberichten von Betroffenen und Aktivist:innen wissen wir, dass Frontex-Beamt:innen an den EU-Aussengrenzen bei Festnahmen k\u00f6rperliche sowie psychische Gewalt anwenden, um die Menschen an der \u00dcberquerung der Grenze zu hindern (<a href=\"https:\/\/frontex-referendum.ch\/2021\/12\/19\/frontex-und-die-gewalt-an-der-albanisch-griechischen-grenze\/\">\u00abFrontex und die Gewalt an der albanisch-griechischen Grenze\u00bb<\/a>). Diese Abschottungspolitik der EU und den Schengenstaaten hat seit dem Jahr 1993 \u00fcber 48\u2019000 Tote gekostet. Die Dunkelziffer liegt deutlich h\u00f6her.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aus den Zeug:innenaussagen ebenfalls hervorgeht; die Gewalt ist vergeschlechtlicht. In Interviews schildern Betroffene wie dies vor sich geht. M\u00e4nnlich gelesene Personen werden aus der Gruppe ausgemustert und schliesslich vor den Augen ihrer Frauen, Schwestern, Freundinnen, Bekannten und Kinder verpr\u00fcgelt. Diese Taktik, bei der FrauenundKinder \u2013 dieser Begriff verweist darauf, dass Frauen und Kinder in der patriarchalen Logik oft \u00fcber einen Kamm geschert werden \u2013 \u00abverschont\u00bb werden, hat System. An den m\u00e4nnlich gelesenen Personen wird ein Exempel statuiert, anhand dessen der Rest der Gruppe abgeschreckt werden soll. Andererseits demonstrieren die Frontex-Beamt:innen mit dieser Taktik ihre sogenannt \u00abwestlichen Werte\u00bb, denen zufolge Frauen und Kinder besonderen Schutz verdienen. M\u00e4nnliche K\u00f6rper hingegen verdienen keinen Schutz. Sie werden daf\u00fcr missbraucht, um ein Signal zu senden: Ihr seid hier nicht willkommen! Die geschlechtsspezifische Gewaltanwendung dient der Abgrenzung gegen\u00fcber den unzivilisierten \u00abAnderen\u00bb. Der rassistisch-sexistischen Logik zufolge geh\u00f6rt Gewalt gegen Frauen nicht ins \u00abzivilisierte Europa\u00bb, sondern dahin, woher diese Personen kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Farce ist der Vorwand, Frauen und Kinder zu sch\u00fctzen, auch angesichts der Tatsache, dass Frontex die sogenannt libysche K\u00fcstenwache mit Informationen versorgt, mithilfe deren diese Menschen in die Camps in Libyen zur\u00fcckf\u00fchrt. Dort droht ihnen neben menschenunw\u00fcrdigen Umst\u00e4nden, Zwangsarbeit, Folter und Kidnapping auch sexualisierte Gewalt \u2013 oft mit t\u00f6dlichen Folgen. Wenn Frontex also vorgibt, FrauenundKinder zu sch\u00fctzen, gilt dies offensichtlich nur auf europ\u00e4ischem Boden. Was danach mit ihnen geschieht, ist nicht das Problem \u00abEuropas\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit verstetigt Frontex sexistische und rassistische Narrative von schutzbed\u00fcrftigen Frauen und m\u00e4nnlichen T\u00e4tern aus dem nicht-Europ\u00e4ischen Raum. Dass sie dabei selbst als T\u00e4ter(in) agiert und Menschen im Namen von Sicherheit und \u00f6ffentlichen Wohls angreift, verletzt und t\u00f6dlichen Gefahren aussetzt, scheint das humanit\u00e4re europ\u00e4ische Selbstverst\u00e4ndnis nicht zu st\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gewalt ist rassistisch<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch die breite Akzeptanz der Gewalt gegen\u00fcber Gefl\u00fcchteten hat System. Die Geschichte des Kolonialismus zeigt, dass Gewalt im Namen des Fortschritts und zum Schutz liberaler Werte nicht nur geduldet, sondern aktiv ermutigt wird. Die Verteidigung demokratischer Grundwerte, wie beispielsweise die Rechte und Sicherheit sexueller Minderheiten werden dabei als Argumente gegen Einwanderung ins Feld gef\u00fchrt. Diese Verbindung von nationalistischen Ideologien und LGBTQ+ Rechten nennt sich \u00abHomonationalismus\u00bb. Laut Migrationsgegner:innen stellen m\u00e4nnliche Einwanderer aus muslimisch-gepr\u00e4gten Gesellschaften n\u00e4mlich eine Gefahr f\u00fcr <em>Weisse<\/em> Europ\u00e4erinnen sowie LGBTQ+ Personen dar. Sie werden als Bel\u00e4stiger und Vergewaltiger verunglimpft. Es wird somit die Vorstellung erweckt, Gleichberechtigung und der Schutz von sexuellen Minderheiten seien eine westliche Errungenschaft, die es vor den angeblich \u00abunzivilisierten Anderen\u00bb zu sch\u00fctzen gelte. Die Tatsache, dass Geschlecht als bin\u00e4re Kategorie in vielen Weltregionen erst vom Kolonialismus zum Dogma gemacht wurde, bleibt dabei unerw\u00e4hnt. Dieses Ph\u00e4nomen ist nur eines von vielen Beispielen, wie sich das <em>Weisse<\/em> Europa davor dr\u00fcckt, seinem kolonialen Erbe ins Gesicht zu schauen. Das Gef\u00e4hrliche an dieser Rhetorik, die weit \u00fcber das rechte Spektrum hinaus Anklang findet, ist, dass sich ihre Vertreter:innen vorgeblich f\u00fcr den Schutz von Minderheiten und der liberalen Demokratie einsetzen. Damit werden rassistische Narrative gesellschaftsf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gegenw\u00e4rtige Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Fluchtbewegungen sind ein trauriges Beispiel daf\u00fcr, wie rassistische Politiker:innen die Sicherheit von Frauen dazu missbrauchen, um Stimmung gegen Migration zu machen. J\u00fcngstes Beispiel ist SVP- Fraktionschef Thomas Aeschi. Er forderte, dass \u00abAusl\u00e4nder, welche in der Ukraine wohnen, aber eben nicht Ukrainer sind\u00bb in ihr Heimatland zur\u00fcckkehren sollten, sodass \u00abNigerianer oder Iraker mit ukrainischen P\u00e4ssen\u00bb nicht pl\u00f6tzlich 18-j\u00e4hrige Ukrainerinnen vergewaltigten. Ein erdr\u00fcckendes Beispiel, wie sich Rassismus und Geschlecht als Unterdr\u00fcckungsmechanismen \u00fcberschneiden; der Schutz und die Rechte von <em>Weissen<\/em> Frauen werden daf\u00fcr missbraucht, um Gewalt gegen und Abschottung vor nicht-<em>Weissen<\/em> M\u00e4nner zu legitimieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr den dem Migrationsregime unterliegenden Rassismus sehen wir darin, wie mit <em>Weissen<\/em> Gefl\u00fcchteten aus der Ukraine umgegangen wird. Massnahmen wie das Bereitstellen \u00f6ffentlicher Verkehrsmittel oder Initiativen wie jene der Universit\u00e4t Basel, wo Studierende mit einer ukrainischen Staatsb\u00fcrgerschaft den Unterricht besuchen d\u00fcrfen, zeigen, dass auch die Schweiz schnell und solidarisch handeln kann. Die Tatsache, dass Schutzbed\u00fcrfnisse an nationale Zugeh\u00f6rigkeit gekoppelt werden, enttarnt aber die vermeintliche \u00abeurop\u00e4ische Solidarit\u00e4t\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist nicht gemeint, dass Menschen aus der Ukraine keine Unterst\u00fctzung erhalten sollten. Ganz im Gegenteil. Es ist zu bef\u00fcrworten, dass Ukrainer:innen der sogenannte Schutzstatus \u00abS\u00bb so rasch zugesprochen wurde. Demnach erhalten sie ein Aufenthaltsrecht, ohne ein ordentliches Asylverfahren durchlaufen zu m\u00fcssen. Menschen aus Afghanistan, Syrien, Pal\u00e4stina, \u00c4thiopien und weiteren Regionen, in denen milit\u00e4rische Konflikte seit Jahren anhalten, werden jedoch auf Grund ihrer Herkunft weiterhin kriminalisiert und verfolgt (<a href=\"https:\/\/frontex-referendum.ch\/2022\/03\/15\/kks-und-der-rassistische-migrationsapparat\/\">KKS und der rassistische Migrationsapparat<\/a>) und als unechte Gefl\u00fcchtete bezeichnet (<a href=\"https:\/\/frontex-referendum.ch\/2022\/03\/02\/sichere-migrationsrouten-fuer-alle-nicht-nur-in-krisenzeiten-sondern-immer\/\">Sichere Migrationsrouten f\u00fcr alle \u2013 nicht nur in Krisenzeiten, sondern immer!<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gewalt, um den Wohlstand zu wahren<\/h2>\n\n\n\n<p>Nicht-<em>Weisse<\/em> People on the Move sind Abschottung und Gewalt an den Grenzen weiterhin ausgesetzt. Daraus wird ersichtlich, wer in den Augen des Staates die Solidarit\u00e4t und Unterst\u00fctzung Europas verdient. Im Namen einer <em>Weissen<\/em> Leitkultur und zum Schutz der Schweizer Wirtschaft formen Rassismus und Klassismus also eine unheilige Allianz, die Fluchtgr\u00fcnde in legitim und parasit\u00e4r unterteilen. An dieser Stelle sei erw\u00e4hnt, dass Menschen aus Osteuropa ebenfalls Diskriminierung erleben und Vorurteilen ausgesetzt sind. Die Bezeichnung <em>Weiss<\/em> bezieht sich nicht auf die Hautfarbe einer Person, sondern steht sinnbildlich f\u00fcr die Privilegien, die nicht von Rassismus betroffene Menschen erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 2004 ist das Budget von Frontex von 6 Millionen Euro um 7000 Prozent gestiegen und soll f\u00fcr den Zeitraum von 2021-2027 ganze 5.6 Milliarden Euro betragen. Investiert wird in \u00dcberwachungssysteme und die Aufr\u00fcstung an der Grenze. Doch wer wird dadurch eigentlich gesch\u00fctzt? Sind es tats\u00e4chlich <em>Weisse<\/em> Europ\u00e4er:innen und \u00abunsere\u00bb demokratischen Werte, wie die SVP und B\u00fcrgerliche behaupten? K\u00f6nnen Einreisebeschr\u00e4nkungen tats\u00e4chlich terroristische Anschl\u00e4ge verhindern, wenn diese haupts\u00e4chlich von in Europa sozialisierten Menschen ver\u00fcbt werden? Oder geht es am Ende etwa doch darum, den Wohlstand von \u00abHerr und Frau Schweizer\u00bb zu sch\u00fctzen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Argument, das Schweizer Sozialsystem d\u00fcrfe keine \u00abfalschen Anreize\u00bb f\u00fcr Asylsuchende schaffen, wird von Politiker:innen von Aussen rechts \u00fcber Mitte und GLP bis hin zu Vertreter:innen der Sozialdemokratie ins Feld gef\u00fchrt. Die b\u00fcrgerlichen Parteien bef\u00fcrworten ein sogenannt anreizorientiertes Finanzierungssystem f\u00fcr Gefl\u00fcchtete und vorl\u00e4ufig aufgenommene Personen. In anderen Worten: People on the Move sollen ihren Willen und F\u00e4higkeit zur Integration erst einmal beweisen. Statt gefl\u00fcchteten Menschen beispielsweise durch den Ausbau der Sozialversicherungen Schutz und Perspektiven zu bieten, investiert die Schweizer Politik bis ins Jahr 2027 lieber 61 Millionen Franken in den Frontex-Ausbau. Das sind ganze f\u00fcnf Prozent des Gesamtbudgets der Agentur. Eine Vervielfachung des j\u00e4hrlichen Beitrags, den die Schweiz bisher leistete. Dieses Geld k\u00f6nnte auch anders eingesetzt werden; in die Schaffung legaler Migrationsrouten und die Bek\u00e4mpfung von Fluchtursachen zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Geradezu zynisch mutet deshalb das \u00ab\u00fcberzeugte JA zum Freiheits-, Friedens- und Menschenrechtsprojekt Europa\u00bb der Operation Libero an. In ihrer Kampagne fordert der liberale Think Tank die offizielle Schweiz dazu auf, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, indem man Schengen und Frontex mitpr\u00e4ge. Statt Finanzmittel in eine inklusive und entkriminalisierende Sozialpolitik zu investieren, setzen sie sich daf\u00fcr ein, noch mehr Geld in die Aufr\u00fcstung des Grenzschutzes zu buttern. Dabei bedienen sich die selbstbezeichneten \u00abLiberos\u00bb und \u00abLiberas\u00bb einer patriarchalen Milit\u00e4rlogik, der zufolge Abschottung an den EU-Aussengrenzen zu mehr Freiheit, Sicherheit und Recht f\u00fchrt. Wessen Rechte dabei gemeint sind, lassen die Initiant:innen dabei (bewusst?) ausser Acht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Langfristige und gewaltfreie L\u00f6sungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie gesagt: Gewalt hat viele Gesichter. Eine intersektionale Perspektive auf die Agentur Frontex lehrt uns, dass Menschen in unterschiedlicher Weise von deren Gewalt betroffen sind. Das gilt nicht nur f\u00fcr die gewaltt\u00e4tigen Handlungen an der Grenze, sondern auch f\u00fcr Fluchtursachen. Eine feministische Analyse des Migrationsregimes zeigt ausserdem, wie Politik und Gesellschaft mit diesen Themen umgehen. Sie verdeutlicht, dass staatlich finanzierte Institutionen ihr Gewaltmonopol gezielt einsetzen, um politische Ziele zu erreichen. Aus einer feministischen und antirassistischen Perspektive kann deshalb nur ein Schluss gezogen werden: Die Schweiz muss sich dringend aus der Finanzierung und personellen Unterst\u00fctzung von Frontex zur\u00fcckziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anti-Migrations Rhetorik wird von rassistischen und sexistischen Argumenten untermauert, w\u00e4hrend die aus Kolonialismus und Kapitalismus entstandene Ungleichheit als Ursache ignoriert wird. Das Argument, es handle sich beim Frontex-Referendum um eine sicherheitspolitische Diskussion, d\u00fcrfen wir nicht akzeptieren. Migration als Gefahr f\u00fcr die Sicherheit Europas darzustellen, ist rassistisch. Aus feministischer Sicht ist zudem klar, dass sich die Militarisierung der Gesellschaft in jedem Fall negativ auf die Rechte von LGBTQ+ Menschen und Frauen auswirkt. Einer militaristischen Logik zufolge geh\u00f6ren Konflikte zur Menschlichen Natur, weshalb es bewaffnete Streitkr\u00e4fte brauche, um diese zu l\u00f6sen. Insofern milit\u00e4rische Gewalt vorwiegend von M\u00e4nnern ausge\u00fcbt wird, w\u00e4hrend FrauenundKinder sowie als feminin dargestellte sexuelle Minderheiten als schutzbed\u00fcrftig gelten, werden so patriarchale Machtverh\u00e4ltnisse zementiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Treten wir dem Aufschrei nach mehr Aufr\u00fcstung deshalb vereint entgegen und fordern stattdessen Bewegungsfreiheit f\u00fcr alle und die Entmilitarisierung der Grenzen und der Gesellschaft. Einzig und allein das Errichten von legalen Migrationsrouten und solidarischer Infrastruktur kann besonders verletzliche Personen vor Gewalt sch\u00fctzen. Als Gesellschaft m\u00fcssen wir die vielf\u00e4ltigen Ursachen von Fluchtbewegungen bek\u00e4mpfen. Die dem kapitalistischen System zugrundeliegende Unterdr\u00fcckungsmechanismen wie Geschlecht, <em>Race,<\/em> Klasse und sexuelle Orientierung anzuerkennen, ist ein erster Schritt, um deren Auswirkungen zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer af-spacer-m\"><\/div>\n\n\n\n<div id=\"footnote-1\" class=\"wp-block-group af-footnote\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-small-font-size\">(1) Der Begriff <em>Weiss<\/em> macht hier auf die die rassisierten Begriffe \u00abSchwarz\u00bb und <em>\u00abWeiss\u00bb<\/em> aufmerksam, und wie diese die Gesellschaft in asymmetrischen Machtverh\u00e4ltnissen organisieren, in denen die Weissen systematisch \u00fcberlegen sind und schwarze Menschen auf eine niedrigere Stufe gestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#footnote-1-link\">Zur\u00fcck zum Text<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Julia Wartmann<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"neve_meta_sidebar":"full-width","neve_meta_container":"full-width","neve_meta_enable_content_width":"","neve_meta_content_width":0,"neve_meta_title_alignment":"","neve_meta_author_avatar":"","neve_post_elements_order":"[\"content\",\"related-posts\"]","neve_meta_disable_header":"","neve_meta_disable_footer":"","neve_meta_disable_title":"","neve_meta_reading_time":"","_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[0],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[],"class_list":["post-6186","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kommentar"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6186"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6222,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6186\/revisions\/6222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}