{"id":6341,"date":"2022-04-09T01:35:00","date_gmt":"2022-04-08T23:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/?p=6341"},"modified":"2022-05-07T02:06:49","modified_gmt":"2022-05-07T00:06:49","slug":"kirchen-gegen-den-ausbau-von-frontex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/2022\/04\/09\/kirchen-gegen-den-ausbau-von-frontex\/","title":{"rendered":"Kirchen gegen den Ausbau von Frontex"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group af-article-head\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Kirchen gegen den Ausbau von Frontex<\/h1>\n\n\n\n<p>Wer am 15. Mai mit NEIN stimmt, stimmt f\u00fcr einen Paradigmenwechsel \u2013 eine biblische und theologische Argumentation.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group af-article-body af-links--soft\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group af-article-body__meta\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-post-date\"><time datetime=\"2022-04-09T01:35:00+02:00\">9. April 2022<\/time><\/div>\n\n\n<p>Von Pierre B\u00fchler und <a href=\"https:\/\/www.migrationscharta.ch\/\">Migrationscharta<\/a><br>Argumentarium von <a href=\"https:\/\/www.kirchen-gegen-frontex-ausbau.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abKirchen gegen Frontex-Ausbau\u00bb<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Seit vielen Jahren baut die europ\u00e4ische Migrationspolitik auf einer Logik der Angst auf und betrachtet Migration als eine Bedrohung, als eine Gefahr, die es zu bek\u00e4mpfen gilt. Der vorrangige Ansatz ist daher sicherheitsorientiert und repressiv. Dieser Ansatz wird seit langem beibehalten und immer wieder verst\u00e4rkt, obwohl er erwiesenermassen keine L\u00f6sung darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die St\u00e4rkung von Frontex ist Teil dieser Logik. Sie tr\u00e4gt zu einer \u00fcberm\u00e4ssigen Militarisierung der Grenzen bei und macht aus Europa immer mehr eine Festung. Die Feinde dieser Festung Europa sind die Migrantinnen und Migranten, die auf ihrer Suche nach Zuflucht und Schutz gezwungen werden, immer gef\u00e4hrlichere Fluchtwege zu w\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diesen \u00abKrieg\u00bb zu f\u00fchren, operiert Frontex nicht nur innerhalb der europ\u00e4ischen L\u00e4nder und an den Aussengrenzen Europas, sondern auch in einer wachsenden Anzahl von Drittl\u00e4ndern, wodurch das europ\u00e4ische Migrationsregime zunehmend ausgelagert wird. So arbeitet Frontex aktiv mit mehr als zwanzig L\u00e4ndern ausserhalb der Europ\u00e4ischen Union zusammen, auf dem Balkan, in Nordafrika, k\u00fcrzlich mit Senegal und, im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, mit Moldawien. Im Mittelmeerraum arbeitet sie insbesondere mit der sogenannten libyschen K\u00fcstenwache zusammen, die Boote mit fl\u00fcchtigen Menschen abf\u00e4ngt und sie gewaltsam nach Libyen zur\u00fcckbringt, wo sie unter massiver Gewalt festgehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00abF\u00fcrchtet euch nicht!\u00bb<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00abF\u00fcrchtet euch nicht!\u00bb Dieser Aufruf, der mehr als f\u00fcnfzig Mal durch die Bibel hallt, stimmt mit der Volksweisheit \u00fcberein, die betont, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist. Er fordert uns auf, anders als durch Ausgrenzungs- und Abschottungsreflexe an unseren \u00c4ngsten zu arbeiten. Er ruft uns dazu auf, sie gelassener zu betrachten, um sie zu einer konstruktiven Herausforderung, einer Schule des Mutes und der Offenheit zu machen. In der Falle der Angst gefangen, schliessen wir uns in Festungen ein, suchen Schutz hinter Mauern, Z\u00e4unen und Stacheldraht. Wie der Hebr\u00e4erbrief (Hebr 13,12-13) betont, starb Jesus jedoch \u00abausserhalb der Stadtmauern\u00bb, sodass wir aufgerufen sind, \u00abhinauszugehen, um ihm ausserhalb des befestigten Lagers zu begegnen\u00bb. Dieses Hinausgehen aus dem befestigten Lager fordert uns auf, den sicherheitsorientierten und repressiven Ansatz der Migration, der so viele Menschen das Leben kostet, zu verlassen und einen anderen Ansatz in Betracht zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gastfreundschaft, eine evidente Pflicht!<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieser andere Ansatz wird im Hebr\u00e4erbrief als Gastfreundschaft bezeichnet. In Anspielung auf den Patriarchen Abraham, der die drei Fremden, die ihn besuchen und sich als Boten Gottes erweisen sollten, grossz\u00fcgig aufnimmt (1. Mose 18), ermahnt er uns: \u00abVergesst die Gastfreundschaft nicht, denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt.\u00bb (Hebr 13,2)<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich: Wer von Engeln spricht, setzt sich leicht der Kritik aus: Diejenigen, die sich als Realisten verstehen, werden uns der Engelsgl\u00e4ubigkeit und der Naivit\u00e4t bezichtigen. Aber in einem ganz bestimmten Sinn m\u00fcssen wir diese Naivit\u00e4t f\u00fcr uns beanspruchen: Dieses Adjektiv stammt vom lateinischen <em>nativus,<\/em> \u00abeingeboren\u00bb, und bedeutet daher zun\u00e4chst einmal \u00abnat\u00fcrlich, arglos, selbstverst\u00e4ndlich\u00bb. Es hat etwas ganz Selbstverst\u00e4ndliches, etwas ganz Unbefangenes, wenn die Grundrechte eines jeden Menschen, wer immer er auch sein mag, geachtet werden. Fr\u00fcher sprach man vom Naturrecht, und so muss man in diesem Sinne die Naivit\u00e4t eines Rechts verteidigen, das nicht verletzt werden darf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zu viele Verletzungen der Grundrechte!<\/h2>\n\n\n\n<p>Geben wir drei Beispiele:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\u00abJeder Staat verpflichtet den Kapit\u00e4n eines seine Flagge f\u00fchrenden Schiffes, soweit der Kapit\u00e4n ohne ernste Gef\u00e4hrdung des Schiffes, der Besatzung oder der Fahrg\u00e4ste dazu imstande ist, jeder Person, die auf See in Lebensgefahr angetroffen wird, Hilfe zu leisten.\u00bb (Seerechts\u00fcbereinkommen der Vereinten Nationen, 1982, Art. 98)<\/li><li>\u00abJeder hat das Recht, in anderen L\u00e4ndern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu geniessen.\u00bb (Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, 1948, Art. 14)<\/li><li>\u00abKeiner der vertragschliessenden Staaten wird einen Fl\u00fcchtling auf irgendeine Weise \u00fcber die Grenzen von Gebieten ausweisen oder zur\u00fcckweisen, in denen sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangeh\u00f6rigkeit, seiner Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen \u00dcberzeugung bedroht sein w\u00fcrde.\u00bb (Genfer Konvention \u00fcber die Rechtsstellung der Fl\u00fcchtlinge, 1951, Art. 33)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das sind drei Rechtsgrunds\u00e4tze, die man als naiv oder selbstverst\u00e4ndlich bezeichnen k\u00f6nnte. Die Europ\u00e4ische Agentur f\u00fcr die Grenz- und K\u00fcstenwache Frontex scheint sie jedoch zu ignorieren und verst\u00f6sst regelm\u00e4ssig gegen diese Prinzipien. Aufnahmen belegen, dass Frontex oft dabei ist, wenn nationale K\u00fcstenwachen Bootsmotoren zerst\u00f6ren und Fl\u00fcchtlinge ihrem Schicksal auf See \u00fcberlassen. Die Agentur assistiert, ohne einzugreifen, oder schlimmer noch: In vielen F\u00e4llen ist sie selbst an illegalen Abschiebungen beteiligt. Indem man den Fl\u00fcchtenden nicht zu Hilfe kommt oder sie gewaltsam abwehrt, werden sie daran gehindert, einen Asylantrag zu stellen, und werden in Gebiete zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, die f\u00fcr ihr Leben und ihre Freiheit gef\u00e4hrlich sind, wie Libyen mit seinen Folter- und Vergewaltigungslagern. Frontex ist daf\u00fcr mitverantwortlich, da sie davon weiss und sogar in komplizenhafter Weise daran teilnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange die genannten Rechtsgrunds\u00e4tze nicht Teil eines Ethikkodexes der Frontex-Agentinnen und -Agenten sind und solange keine Instanzen zur rechtlichen Kontrolle ihrer Eins\u00e4tze wirksam sind, ist die Beteiligung an der massiven Ausweitung dieser Agentur in Bezug auf Waffen und Personal nicht mit der Schweizer Verfassung vereinbar. F\u00fcr die Schweiz gibt es keinen Grund, Menschenrechtsverletzungen zu finanzieren. Umso haltloser ist die Idee, diese finanzielle Beteiligung der Schweiz noch zu vervielfachen. Und dies in einem Moment, wo die europ\u00e4ischen Instanzen drohen, die Finanzierung von Frontex einzufrieren, weil verschiedene Untersuchungen in Europa, insbesondere durch das Betrugsbek\u00e4mpfungsorgan der Europ\u00e4ischen Union (OLAF), schwere Missst\u00e4nde in der Leitung der Agentur aufdecken, wie die Unterschlagung von Beweisen, die illegale Abschiebungen belegen (vgl. <a href=\"https:\/\/www.frontex-leaks.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.frontex-leaks.ch<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abWas an den europ\u00e4ischen Grenzen geschieht, ist rechtlich und moralisch inakzeptabel und muss aufh\u00f6ren\u00bb, sagte Filippo Grandi, der Hohe Fl\u00fcchtlingskommissar der Vereinten Nationen, am 21. Februar 2022. Diese rechtlichen und moralischen L\u00fccken k\u00f6nnen die Kirchen nicht gleichg\u00fcltig lassen. Ein rechtlich und ethisch w\u00fcrdiger Grenzschutz bedeutet, Menschen in Not zu retten, egal wer sie sind, ihr Leben und ihre Freiheit vor jeder Gefahr zu sch\u00fctzen, ihnen sichere Fluchtwege und einen fairen Zugang zu einem Schutzgesuch zu garantieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mit Philoxenie Gefl\u00fcchtete aufnehmen!<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn wir am 15. Mai mit NEIN stimmen, pl\u00e4dieren wir also f\u00fcr einen Paradigmenwechsel: Anstatt sich in einer Logik der Abschottung, Ausgrenzung und Repression zu verfangen, die keine L\u00f6sung bringt, m\u00fcssen wir uns f\u00fcr eine konstruktive Aufnahmepolitik einsetzen, die auf die Menschenw\u00fcrde aller, und vor allem der Wehrlosen, bedacht ist. Es ist nicht nat\u00fcrlich, dass der Schutz der Grenzen durch den Nichtschutz von Menschen erreicht werden soll. Es ist nicht nat\u00fcrlich, dass im Namen der Festung Europa das Mittelmeer zu einem Massengrab wird, wo Tausende von Opfern hingenommen werden, indem sie zu Nicht-Personen gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der griechische Begriff, der in der zitierten Passage aus dem Hebr\u00e4erbrief mit \u00abGastfreundschaft\u00bb \u00fcbersetzt wird, ist philoxenia, w\u00f6rtlich: \u00abdie Liebe zum Fremden\u00bb. Diese \u00abLiebe zum Fremden\u00bb basiert auf dem Prinzip, dass wir alle \u00abFremde und Wanderer auf der Erde\u00bb sind (Hebr\u00e4er 11,13), und steht im Gegensatz zur Xenophobie, der \u00abAngst vor dem Fremden\u00bb, die alle unsere Debatten \u00fcber Migration \u00fcberschattet, weil sie immer wieder Spiralen der Spaltung und Ausgrenzung erzeugt.<\/p>\n\n\n\n<p>In 3. Mose 19,33\u201334 wird diese Haltung der Gastfreundschaft gegen\u00fcber Fremden wie folgt erl\u00e4utert: \u00abWenn ein Fremder bei dir lebt in eurem Land, sollt ihr ihn nicht unterdr\u00fccken. Wie ein Einheimischer soll euch der Fremde gelten, der sich bei euch aufh\u00e4lt. Und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde gewesen im Land \u00c4gypten. Ich bin der Herr, euer Gott.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Geld sollte dazu dienen, Menschen in Gefahr aufzunehmen, anstatt sie abzuschieben. Aufgrund ihrer humanit\u00e4ren Tradition muss die Schweiz auf der Seite der Opfer stehen. Eine einfache Rechnung macht deutlich, was auf dem Spiel steht: Mit 61 Millionen Franken als j\u00e4hrlichem Schweizer Beitrag an Frontex k\u00f6nnte ein Rettungsschiff auf dem Mittelmeer 14 Jahre lang finanziert werden!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was lehrt uns der Empfang der Ukrainerinnen und Ukrainer?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir sind zutiefst ersch\u00fcttert \u00fcber die russische Invasion in der Ukraine und unsere Gedanken sind bei allen Opfern. Wir sind ber\u00fchrt von der enormen Welle der Gastfreundschaft und Solidarit\u00e4t gegen\u00fcber Familien, die vor den Schrecken des Krieges geflohen sind. Dies zeigt uns, dass es m\u00f6glich ist, eher Menschen als Grenzen zu sch\u00fctzen, und dass es m\u00f6glich ist, rasch vielf\u00e4ltige Aufnahmekapazit\u00e4ten zu entwickeln, sowohl im \u00f6ffentlichen als auch im privaten Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was wird in der Zwischenzeit mit all den anderen geschehen, die ebenfalls vor Gewalttaten und Bomben (die manchmal vom selben Autokraten abgeworfen werden\u2026) fliehen und versuchen, auf gef\u00e4hrlichen Exilwegen in Europa Zuflucht zu finden? Die grossz\u00fcgige Aufnahme sollte auch f\u00fcr Vertriebene und Verfolgte aus anderen Krisen- und Kriegsgebieten gelten. Doch diese Menschen sitzen an den Aussengrenzen der Europ\u00e4ischen Union fest, in Lagern mit uns\u00e4glichen Lebensbedingungen und ohne Aussicht auf eine Zukunft. Dabei haben sich viele St\u00e4dte und Gemeinden bereit erkl\u00e4rt, solche Menschen aufzunehmen, die weiter von unseren Kulturen entfernt sind und uns daher umso mehr in unserer Gastfreundschaft herausfordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die grosse Welle der Solidarit\u00e4t f\u00fcr die Ukrainerinnen und Ukrainer, die vor dem Krieg in ihrem Land fliehen, legt den oben gew\u00fcnschten Paradigmenwechsel noch einmal nahe. Denn sie hat gezeigt, dass eine grossz\u00fcgige Aufnahme f\u00fcr alle Menschen schnell realisierbar ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und die Schengen-Abkommen?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Bef\u00fcrworterinnen und Bef\u00fcrworter des im letzten Herbst vom Parlament beschlossenen Gesetzes behaupten, ein NEIN am 15. Mai w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass die Schweiz automatisch aus dem Schengen-Raum ausgeschlossen wird. Dieses irref\u00fchrende Argument zielt in erster Linie darauf ab, Angst zu sch\u00fcren und vom eigentlichen Problem abzulenken. Dieses Risiko k\u00f6nnte nur dann bestehen, wenn die Schweiz die EU-Richtlinie schlicht und einfach ablehnen w\u00fcrde. Es ist jedoch weder das erste noch das letzte Mal, dass sich die Schweiz Zeit l\u00e4sst, um eine EU-Richtlinie neu zu diskutieren, umzuformulieren und zu best\u00e4tigen, und so die vorgegebene Frist von zwei Jahren zu \u00fcberschreiten. Die Frist ist \u00fcbrigens seit November bereits \u00fcberschritten, und die Schweiz ist nicht ausgeschlossen!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein NEIN am 15. Mai w\u00fcrde es der Schweiz erm\u00f6glichen, ihren Beitrag zu Frontex neu zu verhandeln und ihn an rechtliche und ethische Anforderungen zu kn\u00fcpfen. So k\u00f6nnte sie Europa dazu aufrufen, die Gewalt an seinen Grenzen zu bek\u00e4mpfen, anstatt sie aus rein sicherheitspolitischen Gr\u00fcnden zu tolerieren. Denn Europa verst\u00f6sst auch gegen Abs. 2 von Art. 98 des Seerechts\u00fcbereinkommens: \u00abAlle K\u00fcstenstaaten f\u00f6rdern die Errichtung, den Einsatz und die Unterhaltung eines angemessenen und wirksamen Such- und Rettungsdienstes.\u00bb Frontex unterst\u00fctzt zwar aktiv die Ausweitung der Luft\u00fcberwachung im Mittelmeer. Doch gleichzeitig wurden die offiziellen Such- und Rettungsmissionen kontinuierlich reduziert oder gar abgeschafft. Diese Arbeit wird seit langem NGOs \u00fcberlassen, und zwar ohne jegliche Unterst\u00fctzung. Schlimmer noch: indem man ihnen st\u00e4ndig Steine in den Weg legt, sie beschuldigt, auf der Seite der Schlepper zu stehen, und ihre Boote beschlagnahmt. Seit 1993 hat die europ\u00e4ische Abschottungspolitik mehr als 48\u2032000 Menschen das Leben gekostet, wobei die sehr grosse Dunkelziffer noch gar nicht mitgerechnet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur ein NEIN am 15. Mai l\u00e4sst auf irgendeine Ver\u00e4nderung hoffen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine Stimme der Kirchen<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Referendum erm\u00f6glicht es, eine Diskussion in Gang zu setzen, die schon lange h\u00e4tte stattfinden sollen. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, in der Debatte \u00fcber Frontex eine Stimme der Kirchen zu erheben. Es ist unsere Pflicht als Christinnen und Christen, jeden Menschen in seiner W\u00fcrde zu achten und ihn entsprechend zu behandeln. Auch \u00fcber die Abstimmung am 15. Mai hinaus m\u00fcssen wir daher gemeinsam ein klares Zeichen gegen eine menschenverachtende Migrationspolitik setzen. Dies sind unsere \u00dcberzeugungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Alle Menschen sind nach dem Bild Gottes geschaffen und m\u00fcssen daher in ihrer W\u00fcrde bedingungslos gesch\u00fctzt werden.<\/li><li>Vor Gott gelten die Grundrechte f\u00fcr alle Menschen gleichermassen.<\/li><li>Diese Menschenrechte sind nicht verhandelbar.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Als Christinnen und Christen, als Kirchen, d\u00fcrfen uns die Menschenrechtsverletzungen, die regelm\u00e4ssig an den Aussengrenzen Europas stattfinden, nicht gleichg\u00fcltig lassen. Wir m\u00fcssen gegen diese katastrophale Situation Stellung beziehen. Deshalb werden wir am 15. Mai NEIN zur Ausweitung von Frontex sagen<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pierre B\u00fchler und Migrationscharta<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"neve_meta_sidebar":"full-width","neve_meta_container":"full-width","neve_meta_enable_content_width":"","neve_meta_content_width":0,"neve_meta_title_alignment":"","neve_meta_author_avatar":"","neve_post_elements_order":"[\"content\",\"related-posts\"]","neve_meta_disable_header":"","neve_meta_disable_footer":"","neve_meta_disable_title":"","neve_meta_reading_time":"","_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[0],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[],"class_list":["post-6341","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kommentar"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6341"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6349,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6341\/revisions\/6349"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frontex-referendum.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}